Sonntag, 1. Februar 2015

Kapitel 5

Funkstille


Dieses Kapitel ist all den Briefen gewidmet, die nie abgeschickt wurden, all den Worten, die nie gesagt wurden und all den Tränen, die nie vergossen wurden.

Ich bin überzeugt, dass es in der Welt viel mehr ungesagte, als gesagte Worte gibt. Ich selbst könnte Seiten, nein sogar Bücher füllen, mit all jenen Worten, die ich so gerne gesprochen hätte, jedoch nie über die Lippen bekam. Und doch stellt euch eine Welt vor in der all diese Worte gesagt werden würden. Wie laut und kalt, wie ehrlich und wie unbarmherzig sie wäre.

Jetzt im Winter nimmt man diese Stille besonders deutlich wahr. Die Felder liegen brach, die Bäume sind kahl und eine dünne Schneeschicht, stielt der Welt die Farben. Dennoch hat der Winter, aber auch etwas erfrischendes, belebendes. Die eisige Luft macht einen klaren freien Kopf. Der Winter schafft Raum für einen Neuanfang, räumt auf und macht den Weg frei für den Frühling und ein neues Jahr.

Manchmal ist der Winter einsam und betrübt. Die Menschen verkriechen sich in den Häusern und wer draußen ist versucht so schnell wie möglich wieder ins Warme zu gelangen. Was ist aber mit denen, die keine warmes Heim haben, keine Familie mit der sie die Kälte teilen können und keinen an dem sie sich wärmen können? Wo verbringen sie den Winter, wenn alle Türen geschlossen bleiben?

Kommentare:

  1. Da sprichst du echt eine Menge an. Eine riesige graue große Wolke.
    Ich finde, man könnte sich mal vornehmen, einen Tag wirklich alles auszusprechen. Ich bin nämlich der Meinung, die Welt sei vor allem ehrlicher. Und das ist doch das wichtigste!
    Wo ist deine zweite Heimat? Die würde ich gerne mal sehen ..
    Alles Liebe, Lori

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    1. Manchmal ist es ganz gut, wenn Dinge ungesagt bleiben und manche Dinge braucht man auch nicht auszusprechen um sie zu verstehen. Es ist schon schwierig genug nur die Wahrheit zu sagen. Ich möchte gar nicht alles sagen, sondern nur das was nötig ist und ich weiß, das ich oft viel zu viel über Sachen rede (oder auch schreibe), die völlig belanglos sind. Aber vielleicht schreibe ich ja auch irgendwann einmal über Heimat, übers Zuhause sein und übers Ausziehen... und dann schreibe ich vielleicht auch über Amrum, wo ein Teil meines Herzens hängengeblieben ist.

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  2. Ich denke es ist - wie du auch schreibst - gut, dass nicht alle Gedanken, die gedacht, auch ausgesprochen werden. Wenn die Wahrheit nur verletzt und nicht hilft, sollte man sie besser verschweigen.
    Gleichzeitig gibt es vieles, dass man denkt und auch aussprechen sollte. Schweigen ist manchmal einfacher, da es keinen Mut benötigt, reden jedoch schon.
    Ich finde deinen Text sehr schön. Inhaltlich wie auch sprachlich. Er macht nachdenklich und das ist gut.

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    1. Danke für deinen Kommentar. Es ist immer gut weitere Meinungen zu hören und es stimmt auf jeden Fall, dass es sehr viel Mut braucht Manches auszusprechen.

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