Samstag, 24. Mai 2014

Kapitel 3

Wie die Zeit vergeht


Den Wettlauf gegen die Zeit kann man nicht gewinnen, denn sie vergeht unaufhörlich. Alles was du siehst und hörst, riechst, schmeckst oder fühlst gehört der Vergangenheit an. Du bist immer ein Stückchen langsamer als die Realität.
Auch was du hier liest, liest du in der Zeit versetzt. Jede Zeile wurde erdacht und niedergeschrieben zu einer anderen Zeit. Manche sind alt. Manche sind neu. So mischen sich die Zeiten und es entsteht eine neue. Dieser Satz zum Beispiel wurde am 21.9.2013 um 17:57 im Präteritum verfasst, vorahnend, dass er, wird er gelesen, längst geschrieben und mehrmals überarbeitet sein wird.

Wenn aber alles in der Vergangenheit geschieht, kann ich dann überhaupt im Jetzt denken oder sind auch alle meine Gedanken längst erdacht? Kann ich etwas Neues schaffen oder nur Altes kombinieren? Ist nicht alles, was in Zukunft geschieht, schon vergangen?

Was ist das überhaupt für eine Einheit - Zeit? Klar ist: Zeit hat man nie genug. Immer wenn man die Zeit braucht hat man zu wenig und wenn man gerade Zeit hat, dann fehlt einem die Beschäftigung. Unser Zeitempfinden ändert sich ständig, sowohl kurz- als auch langfristig betrachtet. Bei einer Beschäftigung die uns Spaß macht vergeht die Zeit wie im Flug, während sie bei monotonen Arbeiten fast still zu stehen scheint. Und auch mit zunehmendem Alter vergeht die Zeit gefühlt immer schneller. Und trotzdem hat jedes Jahr immer noch 365 Tage (Schaltjahre ausgenommen), jeder Tag 24 Stunden, jede Stunde 60 Minuten und jede Minute 60 Sekunden – warum also scheint sie immer schneller zu laufen? Oder bekommen wir von unserer Zeit vielleicht nur weniger mit? Sind wir schon so übersättigt mit Eindrücken und Informationen, dass wir viel weniger von unserer Umgebung wahrnehmen? Sind prägende Reize für uns heute viel schwieriger zu finden, als für unser 5-jähriges Ich?

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